Ausgabe August 2000
Ursprung Brieselanger Strassennamen
Heute: Thälmannstraße
Die Thälmannstraße ist eine der ältesten Straßen Brieselangs, auch wenn man es ihr nicht unbedingt ansieht. Sie verbindet den heutigen Platz des Friedens am Bahnhofsvorplatz Nord mit dem Parkweg, von dem aus man direkt in den Wald kommt. Dass es sich um eine der ersten Straßen handelt, macht allein die Tatsache deutlich, dass sie in 80 Jahren mit drei verschiedenen Namen beglückt wurde, die jeweils die politische Situation um sie herum charakterisiert.
Zunächst hieß sie Hauptallee. Von hier rollten die Fuhren vom nahen Güterbahnhof zu den Baustellen der Siedler. Hier richteten sich erste Geschäftsleute ein, wie das Restaurant "Osthavelland" der Eheleute Meyer, heute Institut für Agrarordnung, die Firma Peters, Bauprojekte und Bauleitung oder die Kolonialwarenhandlung von Hermann Selle in der Hausnummer 9. Jeder, der vom Bahnhof zu seiner Parzelle musste, durchlief die Hauptallee. Allein die aussergewöhnliche Breite mit einem angerähnlichen Grünstreifen in der Mitte ließ sie als eine wichtige Allee erscheinen.
Kurz vor dem Parkweg verbreiterte sich die Hauptallee und der entstandene Raum wurde als Festplatz vor allem für die seit 1920 jährlich im August stattfindende Kirmes genutzt. Aber auch Maifeiern und politische Demonstrationen begannen und endeten hier. An den meist drei Kirmestagen war die Hauptallee festlich geschmückt. Die Frauen saßen Tage vorher beisammen und banden bunte Blumengirlanden, um die Brieselanger und die von überallher vor allem aus Berlin strömenden Gäste herzlich zu empfangen.
In den dreißiger Jahren, als die politische Landschaft braun wurde, änderte sich auch der Name der Hauptallee. Von 1934 an lebten die Anwohner nun in der Hindenburgallee. Paul Hindenburg wurde 1925 zum Reichspräsidenten gewählt, und verhalf den Hitlerfaschisten zur Macht, die ihn mit umfangreichem Großgrundbesitz beschenkten. Auch der Kirmesplatz trug nun keinen unschuldigen Namen mehr, sondern zeigte deutlich wessen Feste hier gefeiert werden sollten – es war nun der Göringplatz.
Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges schüttelten die Brieselanger auch die Straßennamen ab, die sie so fatal an die Katastrophe erinnerten. Aus dem Göringplatz wurde der Breitscheidplatz, benannt nach dem preußischen Innenminister (1918/19) und Mitglied des Reichstages (1920/23), der 1933 nach Frankreich emigrierte und von dort 1941 von der Gestapo verhaftet und im KZ Buchenwald umgebracht wurde.
Unsere ehemalige Hauptallee, ehemalige Hindenburgallee wurde Thälmannstraße. Zu DDR-Zeiten hatte der Name Thälmann einen ehrenvollen Klang. Die Pionierorganisation hieß Ernst Thälmann und die Thälmann-Pioniere trugen stolz ihr rotes Halstuch.
Ernst Thälmann wurde am 16. April 1886 in Hamburg geboren. Bereits mit 17 Jahren war er politisch aktiv und setzte sich im Transportarbeiterverband Hamburgs für die Rechte der Arbeiter ein. Seit 1920 gehörte er der KPD an und führte 1923 den bewaffneten Aufstand des Hamburger Proletariats. 1924 wurde er Führer des gegründeten Roten Frontkämpferbundes und rief zur revolutionären Einheitsfront der Arbeiterklasse und zur antifaschistischen Aktionseinheit zwischen der SPD und der KPD auf. 1933 wurde Ernst Thälmann verhaftet und durchlief 11 lange Jahre die verschiedensten Gefängnisse und Zuchthäuser, bis er schließlich am 18. August 1944 heimlich im KZ Buchenwald ermordet wurde.
I.E.G.
* * *
©
Brieselanger Kurier 2000
![]()