sehr geehrter herr saremba, wir sind mit ihrem offenen brief nicht angesprochen, möchten uns aber trotzdem zu wort melden wir finden es erschreckend, mit welcher arroganz sie versuchen, die ehemaligen ddr-bürger zu beleidigen. durch belehrende formulierungen wie "das wird man sicher auch in der ddr gelernt haben" tragen sie mit sicherheit nicht zur vereinigung zwischen ost und west bei. zu thälmann: sie stellen ihre sicht auf die dinge bzw. die sicht ihres geschichtsbuches dar. geschichtsbücher werden von menschen gemacht, nicht von der geschichte. was ist die historische wahrheit? es ist immer die sicht einer bestimmten historischen gruppe auf einen sachverhalt. können sie sich vielleicht vorstellen, daß es für thälmann erstrebenswert war, eine bessere gesellschaft aufzubauen, als die, in der er lebte? eine gesellschaft, in der die menschen, die die werte durch ihre arbeit schaffen, auch die früchte dieser arbeit genießen können? das war eine idee, die, wie wir wissen, gescheitert ist. aber er kämpfte dafür. er betätigte sich in den zwanziger jahren in der kpd. das war nicht verboten. die kpd war als demokratische partei anerkannt. die sowjetunion diente ihm dabei als vorbild, denn dort gab es diese gesellschaft seit 1917. er war ein idol für viele menschen in seiner zeit und sie nannten ihn "teddy". immerhin erhielt er bei den reichstagwahlen 1932 über 10% der stimmen. seine wähler? alles feinde der demokratie? was später aus diesen ideen gemacht wurde, auch in der ddr, ist eine andere sache. sie behaupten, thälmann war ein feind des demokratischen staates. nun stellen wir uns vor, daß er unter hitler 11 jahre in einzelhaft saß, bevor er ihn in buchenwald hinterrücks ermorden ließ. ohne jeden prozeß. thälmann war also ein feind der hitler-dikatur. finden sie, daß das ein demokratischer staat war? bevor sie ihre ideen hier umzusetzen versuchen, gehen sie doch nach hamburg. versuchen sie mal, die dortige bürgerschaft davon zu überzeugen, den hamburger "ernst-thälmann-platz" umzubenennen und die dortige "ernst-thälmann-gedenkstätte" endlich zu schließen! wir verstehen nicht, warum man in den alten bundesländern keine probleme mit straßen und plätzen hat, die nach sozialisten und kommunisten benannt sind. nur hier wollen sie alles umkrempeln. damit sie uns nicht falsch verstehen: wir waren nie kommunisten oder in irgendeiner partei in der ddr! und wir trauern der ddr auch nicht nach. aber wir versuchen, alles immer von mehreren seiten zu sehen. mit ihrem brief haben sie der vereinigung von alt- und neubürgern in unserer gemeinde keinen guten dienst erwiesen. wir denken, daß die thälmannstraße auch in zukunft so heißen wird. kümmern sie sich doch um die wirklichen probleme in dieser gesellschaft. mit freundlichen grüßen gez. thomas gitzel gez. andreas gitzel
Stellungnahme per Email an: andreas@saremba.de