Antwort auf den offenen Brief zur Thälmannstraße

(Per Email am 20. August 2000)
sehr geehrter herr saremba,

wir sind mit ihrem offenen brief nicht angesprochen, möchten uns aber
trotzdem zu wort melden wir finden es erschreckend, mit welcher arroganz
sie versuchen, die ehemaligen ddr-bürger zu beleidigen. durch belehrende
formulierungen wie "das wird man sicher auch in der ddr gelernt haben"
tragen sie mit sicherheit nicht zur vereinigung zwischen ost und west bei.


zu thälmann: sie stellen ihre sicht auf die dinge bzw. die sicht ihres
geschichtsbuches dar. geschichtsbücher werden von menschen gemacht, nicht
von der geschichte. was ist die historische wahrheit? es ist immer die
sicht einer bestimmten historischen gruppe auf einen sachverhalt. können
sie sich vielleicht vorstellen, daß es für thälmann erstrebenswert war,
eine bessere gesellschaft aufzubauen, als die, in der er lebte? eine
gesellschaft, in der die menschen, die die werte durch ihre arbeit
schaffen, auch die früchte dieser arbeit genießen können? das war eine
idee, die, wie wir wissen, gescheitert ist. aber er kämpfte dafür. er
betätigte sich in den zwanziger jahren in der kpd. das war nicht verboten.
die kpd war als demokratische partei anerkannt. die sowjetunion diente ihm
dabei als vorbild, denn dort gab es diese gesellschaft seit 1917. er war
ein idol für viele menschen in seiner zeit und sie nannten ihn "teddy".
immerhin erhielt er bei den reichstagwahlen 1932 über 10% der stimmen.
seine wähler? alles feinde der demokratie? was später aus diesen ideen
gemacht wurde, auch in der ddr, ist eine andere sache.

sie behaupten, thälmann war ein feind des demokratischen staates. nun
stellen wir uns vor, daß er unter hitler 11 jahre in einzelhaft saß, bevor
er ihn in buchenwald hinterrücks ermorden ließ. ohne jeden prozeß.
thälmann war also ein feind der hitler-dikatur. finden sie, daß das ein
demokratischer staat war? 

bevor sie ihre ideen hier umzusetzen versuchen, gehen sie doch nach
hamburg. versuchen sie mal, die dortige bürgerschaft davon zu überzeugen,
den hamburger "ernst-thälmann-platz" umzubenennen und die dortige
"ernst-thälmann-gedenkstätte" endlich zu schließen! wir verstehen nicht,
warum man in den alten bundesländern keine probleme mit straßen und
plätzen hat, die nach sozialisten und kommunisten benannt sind. nur hier
wollen sie alles umkrempeln. damit sie uns nicht falsch verstehen: wir
waren nie kommunisten oder in irgendeiner partei in der ddr! und wir
trauern der ddr auch nicht nach. aber wir versuchen, alles immer von
mehreren seiten zu sehen. mit ihrem brief haben sie der vereinigung von
alt- und neubürgern in unserer gemeinde keinen guten dienst erwiesen. wir
denken, daß die thälmannstraße auch in zukunft so heißen wird. kümmern sie
sich doch um die wirklichen probleme in dieser gesellschaft. 

mit freundlichen grüßen
gez. thomas gitzel
gez. andreas gitzel


Stellungnahme per Email an: andreas@saremba.de

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